Ueber Sanda

Über Sanda

Sanda (oder Sanshou) ist eine Vollkontaktsportart des Chinesischen Wushu, welche sich als ein „freier Kampf“ darstellt und Elemente verschiedener traditioneller chinesischer Kampfkünste in sich verbindet. Sanda beinhaltet Angriffstechniken mit den Händen «Züanfa» und Beinen «Tujfa», sowie Wurftechniken «Shuaj Zsjao». Gerade deswegen machen Griff-, Wurf- und Schlagtechniken Sanda zu einer vielseitigen und effektiven Kampfkunst. Sanda ist eine der beiden Disziplinen (zweite ist Taolu) bei den Wettkämpfen des modernen Wushu, organisiert durch die Internationale Wushu Federation (IWUF) welche durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) anerkannt ist. In China sagt man:

„sanshou shi wushu de jingua“ (Sanda – Quintessenz des Wushu)

Anders ausgedrückt trägt diese moderne Sportart das Beste aus den chinesischen Kampfkünsten in sich. In den letzten Jahren nimmt Sanda immer mehr an Popularität in der ganzen Welt zu. Heute werden Sanda-Wettkämpfe bereits in über 75 Ländern der Welt ausgetragen.

Betrachtet man effektive und realistische Kampftechniken und Stilrichtungen, so ist Sanda sicherlich die interessanteste und vorteilhafteste Kampfkunst neben den anderen.

Der Termin „Sanda“ bedeutet freie oder zerstreute Schläge, „Sanshou“ wird übersetzt als freie, entfesselte Hände und wird zu jener Art der Kampfkunst zugeordnet, die adäquat den realen Nahkampf wiedergibt. Sanda Wettkämpfe werden auf «Lejtaj» ausgetragen, einer 80 cm hohen und 8x8 m breiter Kampffläche und wird zusätzlich durch eine 30 cm hohe und 2 m breite Weichoberfläche umgrenzt. Die Geschichte der Kämpfe auf einer ähnlichen Kampfläche haben ihre Wurzeln noch aus der Zeit als die Wettkämpfe in China ohne jegliche Regeln, mit und ohne Waffen ausgetragen wurden und Ausgang welcher nicht selten für einen der Kontrahenten tödlich endete. Diese Kampfbühne nannte man damals «Zsitaj». Sie war mit spitzen Speeren umringt, welche für den raus gestoßenen Gegner den Tod bedeuteten. Zu viel späteren Zeiten, z.B. auf dem chinesischen nationalen Turnier in Nanking im Jahr 1928, waren die Kämpfe dermaßen brutal, dass manche der Kämpfer nicht zugelassen wurden, um nicht die bekannten Großmeister der damaligen Zeit zu gefährden. So war die Veränderung bereits im Gange.

Modernes Sanda wurde zeitgleich mit dem modernen Wushu Taolu zur sportlichen Disziplin, als die chinesische Regierung sich in den 60`ger Jahren für die Entwicklung und Förderung dieser beiden Sportarten entschloss. Für die Ausarbeitung eines offiziellen Regelwerks wurden die Meister des ganzen Landes beauftrag, die reichhaltige Schule der Chinesischen Kampfkünste zu nutzen, um ein einheitliches System zu entwickeln, welches die Techniken aller Stilrichtungen und Schulen in sich verbindet. Um das Verletzungsrisiko gering zu halten wurde eine Schutzausrüstung ausgearbeitet und eingeführt.

Das Endergebnis war ein kombinationsreicher Wettkampf, welcher eine Vielzahl traditioneller Techniken der Chinesischen Kampfkünste in sich einschloss. Gefährliche Würgegriffe und Armhebeltechniken wurden ausgeschlossen, was nicht nur das Verletzungsrisiko senkte, sondern auch das Tempo des Kampfes erheblich erhöhte. In Sanda werden drei Techniken angewendet: Fauststöße, Fuß- und Beintechniken, sowie Griff- und Wurftechniken, was diese Sportart einem realen Nahkampf sehr ähnlich macht. Der Sieger wird entweder durch ein KO oder nach der Punktzahl ermittelt, welche nach der Effektivität der angewandten Techniken vergeben werden. Die Kampfdauer beträgt zwei Runden je 2 Minuten; im Falle eines Unentschieden wird eine dritte Runde ausgetragen. Eine der wichtigen Techniken oder Taktiken ist das Herausführen des Gegners von der Kampffläche.

Bei einer Grifftechnik hat man 3 sec zeit um einen Wurf auszuführen, andernfalls unterbricht der Kampfrichter den Angriff und die Gegner setzen ihren Kampf in der Mitte des Lejtaj fort.

Viele Föderationen des Kick Boxens richten ihre Turniere nach dem Sanda-Regelwerk aus, es ist aber falsch anzunehmen, dass Sanda eine Form des Kick Boxens ist, denn Sanda Techniken sind anspruchsvoller und beim weiten mannigfaltiger als das Repertoire des Kick Boxens.

 

Wichtige Punkte des Sanda-Regelwerk bei den internationalen Turnieren:

  1. Erlaubt sind Angriffs- und Verteidigungstechniken
  2. Erlaubt sind Angriffe zum Kopf, Körper und den Beinen
  3. Verboten sind Angriffe zu den Genitalien, dem Hinterkopf und dem Hals
  4. Verboten sind Angriffe mit den Ellenbogen, Knie, Kopf und das Ausrenken von Gelenken
  5. Verboten sind Angriffe gegen einen am Boden liegenden Gegner

 

Geschichte

Chinesisches Wort „Sanda“ bedeutet wörtlich übersetzt freie Schlagtechnik. Der Sinn lautet folgendermaßen: beim Studieren der Kampfkünste trainiert der Mensch die Techniken alleine oder mit der „Luft“. Es können sowohl einzelne Übungen, als auch komplexe Formen sein, welche auf Chinesisch „Taolu“ heißen. Hat man die Abläufe verinnerlicht werden sie mithilfe eines Partners weiterhin verbessert. Jedes Wushu Stil hat sein Repertoire an Partnerübungen, welches als „Dujljan“ bezeichnet wird. Das Wort „Duj“ bedeutet „gegen etwas zu sein“, oder im abgeleiteten Sinne – „ein Partner von etwas zu sein“. Das Wort „Ljan“ bedeutet „trainieren“. So wird „Dujljan“ übersetzt als Partnertraining.

Die Bewegungsabläufe aller Teilnehmer des Dujljan (es können auch drei oder mehr Menschen eingebunden sein) sind vorherbestimmt. Das hilft den Bewegungsrhythmus zu berechnen und besser zu fühlen, um die Techniken im richtigen Moment anzuwenden und die Kraft richtig zu dosieren. Jedoch um in einem realen Kampf bestehen zu können, muss man auf eine unbekannte Situation adäquat und spontan reagieren können. Genau das ist der Vorteil von Sanda, wo die Kämpfer verschiedene Techniken in den Situationen, die nie vorherbestimmt werden können, anwenden. Das ist auch der Grund warum Sanda als „freier Kampf“ bezeichnet wird.

In China waren die Kämpfe stets in jedem Zeitalter populär. Schon in den Unterlagen der Frühling und Herbst Periode (in dieser Zeit wurde die Chronik „Frühling und Herbst“ verfasst, welche von Konfuzius geschrieben sein sollte; VI-III Jahrhundert v.u.Z.) gibt es viele Hinweise auf „Sjanbo“ (Sjan - gegenseitig, inander; Bo - kämpfen). Im Jahre 1975 bei den Ausgrabungen eines Grabmals aus dem Zeitalter der Qin Dynastie (221 - 206 v.u.Z.), fand man einen Kamm, auf deren Griff eine farbige Darstellung von zwei Kämpfern auf einer Kampfbühne zu sehen ist. Ebenso gibt es viele Malereien der Kämpfe aus der Zeit der Han Dynastie (206 v.u.Z. - 220 n.u.Z.).

In den Schriften des VI-X Jahrhunderts wird öfters von „Shoubo“ (Nahkampf) und „Zsüeli“ (Kräftemessen) oder „Zsüedi“ (Kampf) gesprochen. Hier z.B. eins der Texte: „Der Imperator der spähten Tang Dynastie (923-936) Chuang Tsung (923-926) war sehr energiegeladen und liebte es Zsüedi anzuschauen oder daran teilzunehmen. Eines Tages fasste er den Entschluss Men Guan in einem Wettkampf zu besiegen, traf aber vorher eine Absprache mit ihm, dass dieser nicht zu sehr nachgeben sollte. Men Guan ging viermal in die defensive und dann schlug er zu und brachte den Imperator mit einem Griff zum Boden. Als einen Preis für den Sieg bekam er das Ju Bezirk und den Titel Zsedushi“.
Aus diesem Text wird deutlich, dass bei den Wettkämpfen Schlagtechniken, sowie Griff- und Wurftechniken angewandt wurden.

Die Ming Dynastie (1368-1944) ging in die Geschichte als Goldenes Zeitalter des Wushu ein und Kämpfe auf dem Lejtaj waren zu dieser Zeit sehr populär. Auf den Säulen zu den beiden Seiten der Kampfbühne standen, um die Atmosphäre zu erhitzen, Sätze wie „Faustschlag des grausamen Tigers aus den südlichen Bergen„ und „Beintritt des Wasserdrachens aus den nördlichen Meeren“. Damit am ende des Kampfes ein klarer Sieger stehen sollte, wurde vor dem Wettstreit ein Dokument über Leben und Tod unterschrieben, ohne welchen niemand zum Kampf zugelassen wurde.

Im Jahr 1933 organisierte das Zentralinstitut Goshu zweites „Goshu Gokau“. Es wurde klar, dass die tödlichen Wettkämpfe nicht mehr veranstaltet werden dürfen, jedoch wirken sich jegliche Regeln negativ auf den Kampfverlauf im Bezug auf die Realitätsnähe des Kampfes aus. Als Folge fand in Nanking eine „chinesische sportliche Gemeinversammlung“ statt, wo es versucht wurde, die Wettkämpfe mit einer Schutzausrüstung auszurichten (Baseballbrustschutz und Schienbeinschoner aus dem Fußball).

Im Jahr 1979 beschloss das Staatliche Sportkomitee der Chinesischen Nationalrepublik über die Ausarbeitung einer neuen Form des Wushu Wettstreits - den Sanshou Wettkampf.   

 
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